Frühkindliche und Geburtstraumata

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AnnSophie
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Frühkindliche und Geburtstraumata

Beitrag von AnnSophie »

Hallo,
Anfang September hatten wir ja hier im Forum eine richtig heiße Diskussion über Kindheitsverletzungen und die Schuld/Verantwortung der Mütter im allgemeinen und im besonderen.

In Anknüpfung an diese Diskussion möchte ich hier nachfolgenden Ansatz von Franz Renggli mit Euch teilen und diskutieren

Vorab ist mir wichtig zu sagen, dass meines Erachtens im deutschen Kulturkreis keine andere Rolle so sehr mit uneinlösbaren Erwartungen überladen wird, wie die Mutterrolle. In Deutschland ist das m.E. Noch zugespitzter als in anderen Kulturen, z.B. den Begriff „Rabenmutter“ und das dahinterstehende Denkkonzept ist mir analog aus anderen Sprachen (Englisch, Spanisch, Französisch...) nicht bekannt.

Meinhard hat sehr richtig beschrieben, wie viele jahrzehntelang versuchen ihre Traumata aus der ersten Zeit ihres Lebens bzw. aus ihrer Beziehung zu ihrer Mutter aufzuarbeiten und zu heilen.

Und gleichzeitig wird jede Mutter es rein instiktiv gut mit dem Kind meinen. (Das Muttertier ist in Frauen extrem stark.) Sie handeln wie wir alle auf Basis Ihres (Un-)Wissens, wie alle überall.

Franz Renggli geht nun von der Verhaltensforschung aus, dass die emotional ersten Lernerfahrungen im Leben jedes Menschen- und Tierkindes von grundsätzlicher Bedeutung sind: Sie sind irreversibel und d.h. nicht umkehrbar, was als Prägung bezeichnet wird.
„In dieser höchst sensiblen ersten Lebenszeit wird in allen Hochkulturen eine Mutter und ihr Baby voneinander getrennt. Dabei gilt: Je höher die Kultur entwickelt ist, desto radikaler wird diese Trennung vollzogen, was als Einpassung in das entfremdete Leben der Städte verstanden werden kann. Das bedeutet: In der Tiefe der menschlichen Seele aller Hochkulturen ist ein weinendes, verzweifeltes und tobendes Baby verborgen.“
Dieser "Schmelztiegel" an heftigen Gefühlen ist für ihn gleichzeitig die Quelle und der Ursprung aller menschlichen, kreativen Schaffenskraft und somit all unserer kulturellen und technischnischen Errungenschaften.

In seinem aktuellen Buch das goldene Tor zum Leben bzw. der frei verfügbaren Zusammenfassung http://www.franz-renggli.ch/de/artikel/ ... litaet.pdf führt er weiter aus:
"Mit vielen führenden pränatalen Psychotherapeuten glaube ich persönlich an die Reinkarnation (Forschungen durch Ian Stevenson und Michael Newton), was bedeutet: Wir sind alte Seelen, die im letzten Leben gewisse Aufgaben oder Lernschritte nicht vollenden konnten und deswegen haben wir uns in der geistigen Welt entschieden, einen neuen Versuch zu wagen auf dieser Welt. Zu diesem Schritt wählen wir uns entsprechende Eltern aus mit ihren ganz bestimmten Fähigkeiten und Stärken aber auch mit ihren spezifischen Verletzungen. Und so wie wir im vorsprachlichen Raum geprägt werden, in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der Babyzeit – diese Prägung bildet den psychosomatischen Hintergrund für unser ganzes Leben. Es ist die Basis für die nächsten Lernschritte in unserem Leben, unsere Lebensaufgabe, der Sinn unseres Lebens. Und ich glaube: je härter das Schicksal eines Menschen, desto grösser ist auch die Aufgabe, die es sich in der geistigen Welt vorgenommen hat für diese Welt und mit diesen Eltern.
Wenn es uns gelingt, unsere Fähigkeiten und Stärken zu entwickeln und andererseits unsere alten Verletzungen zu transformieren und das heisst ausheilen zu lassen, dann ist in jedem schweren Schicksal ein unendlicher Reichtum, ein Kern von Glück, Zufriedenheit und Freude verborgen. Dies ist unsere Lebensaufgabe, den göttlichen Kern in uns zum Erblühen zu bringen."

Für mich selbst ist dieser Ansatz mit einem etwas anderen Blickwinkel sehr tröstend. Wenn es mich auch reizt und ich nicht akzeptieren mag, dass wirklich all unsere Schaffenskraft aus einem Defizit herauskommen soll.

Auf JSJ-Ebene hat mir im Zusammenhang mit den frühsten Kindheitsverletzungen die Lu-FE sehr gut getan.

Was meint Ihr dazu?

Viel Grüße,

AnnSophie.

Leben ist. Weisheit und Liebe verbinden, was Angst und Dummheit trennt.

Ama Walter
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Cécile
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Re: Frühkindliche und Geburtstraumata

Beitrag von Cécile »

Ich denke, das ist ein recht eindimensionaler Kreativitätsbegriff, jedenfalls zeigt die neuere Kreativitätsforschung durchaus andere Aspekte auf. Dieses Bild, Leiden wäre der Motor für Kreativität, Schaffenskraft und besondere Leistungen ist einfach nur EIN möglicher Blickwinkel. Gerne werden von den Vertretern dieser Richtung Künstlerschicksale aufgeführt, die das dann belegen können. Das heißt aber nicht notwendigerweise, dass jeder mit frühkindlichem Trauma mit besonderer Schaffenskraft auffallen würde, bzw. einer Künstlerbiografie immer ein Trauma zugrunde liegen müsste.

Trotz all der Forschung weiß man immer noch nicht wirklich, was Kreativität verursacht oder fördert.
Man hat sich aber darauf geeinigt, dass man sehr wohl weiß, was Kreativität hindert ;)
Das dazu.

Lungen FE ist sicher gut, aber mich springt hier eher SES 5 an:
"Ablegen von Altem und Annehmen von Neuem"
Die 5 fordert uns auf, die Sinne zwar wahrzunehmen, aber uns von ihnen nicht beherrschen zu lassen. So ist es möglich, die Ängste allmählich loszulassen, die uns an Vergangenes binden und Neues verhindern.
Von Angst befreit, können wir die Kraft in uns wahrnehmen und leben.
(Felicitas Waldeck)

Spricht Dich das an?
"Im Grunde muss man ja überhaupt nichts Bild ...man muss sich halt durchbringen,
aber auch das nicht. Auch das muss ja nicht sein."
Thomas Bernhard
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AnnSophie
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Re: Frühkindliche und Geburtstraumata

Beitrag von AnnSophie »

:danke: , liebe Cécile.

Dein Beitrag ist ein Schatz für mich, aus mehreren Gründen.
a) Dass Du auch einen anderen Kreativitätsbegriff hast ;)
und b) Dein bzw. Felicitas Waldecks Text zu der 5

Das Wahrnehmen, aber nicht beherrschen lassen von den Sinnen.


Das öffnet mir eine innere Tür, da ich mich als halbwegs sensibler Mensch oft von den vielen Reizen und Sinneseindrücken überfordert fühle, bzw. da oft noch keinen erwachsenen, souveränen Umgang damit habe. Andere, z.B. mein Partner können z.B. die Ohren bewusst auf Durchzug stellen - ich kann das bis jetzt wohl nur unbewusst. :witz:

Hinsichtlich Kreativität glaube ich das es mit (Leidens-)Druck vielleicht bis zu einem bestimmten Niveau geht, aber dass in Freiheit mit einem willkommen-heißenden, stützenden Nährboden aus reiner Lust, Freude und Begeisterung noch ganz andere kreative Höchstleistungen möglich sind. Und viele große Talente wie z.B. Sebastian Deissler durch zu viel Druck eher am erblühen gehindert werden.

Ja es hat mich angesprochen, dank Dir.

: 26
AnnSophie.

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Ama Walter
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