Liebe Königin alias Regina,
es geht den Menschen wie den Leuten. Ich habe lange gewartet, weil auch mein Mann nicht wollte. Dann bekam er eine Hüftprothese - und ich habe mich so richtig elend und hilflos gefühlt. Er hatte lange Schmerzen und ich war wie eingefroren, hätte auch gar nicht gewagt, ihn anzufassen. Ich hab mir geschworen: So hilflos will ich nicht wieder dastehen und habe Kurse belegt. Mein Mann hat mich immer ermutigt, es zu tun. Eines Tages kam er grinsend vom Urologen zurück mit dem Spruch: "Er hat gesagt: Jetzt müssen wir wohl bald das Messer wetzen."
Mir hat das die nötige Schubkraft verliehen und eines Tages wusste ich: Heute bin ich auf eine Art gut drauf, dass ich es rüberbringen kann. Es war dann eine köstliche Situation zwischen uns beiden. Er hat es akzeptiert - als eine neue Art von Gemeinsamkeit. Nach einem Jahr hat er sich/mich gefragt, ob ich auch was gegen die Prostata mache? Tu ich natürlich nicht, höchstens für!

Und dann rückte er damit raus, dass er nachts seltener raus musste. Inzwischen hat der Urologe längst das Messer beiseite gelegt, wir haben zweimal eine TIA bei ihm beendet und gemeinsam Covid 19 dank Jin Shin Jyutsu durchgestanden. Mit dem Erschöpfungssyndrom habe ich allerdings fast 10 Monate zu tun gehabt.
Aber es ist immer dafür gesorgt, dass einem die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es gibt ein Dauerthema in Sachen Trauer + Schuldgefühle, dass ich manchmal nur knapp die Kurve an der Depression vorbei kriege. Wollt ich nur mal sagen, damit ihr nicht meint, ich wäre immer gut drauf und optimistisch. Goethe hat es mal auf den Punkt gebracht:
Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einzuziehn, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt.
Lieben Gruß euch!
Nirbheeti