irgendwie ist für mich heute der Tag den Artikel über unsere Sollbruchstellen, den ich mal für den Mail-Central geschrieben habe auch hier zu posten. Einerseits passt's zum heutigen Adventskalender und andererseits zu Waldeules Schilddrüden-Thread.
Achtung der Text ist länger als die magische DINA4-Seite, d.h. wer's nur kurz mag, einfach überlesen
Viel Freude
AnnSophie
------------
Perfekte Blaupause des Lebens
Das Sicherheitsenergieschloss 22 oder die Kunst des Annehmens
Im Jin Shin Jyutsu wird hinsichtlich der sechsten Tiefe von der perfekten Blaupause unseres Lebens gesprochen. Das Bild war für mich in meiner Vorstellung ein zwar hoffnungsvolles, aber gleichzeitig sehr fernes Erinnern an diesen Puls in Harmonie, tief in unserem Inneren. Der Bezug der Blaupause zu meinem tatsächlichen alltäglichen Leben war aber begrenzt. Neben dem Schönen, Guten und Wünschenswerten, prägten die tiefen Verletzungen des ungeliebten Kindes und die Verunsicherung durch mehrere Psychosen, die sich in den letzten Jahren manifestiert hatten, meine Wahrnehmung.
Das SES 22 - Vollständig - ist im Jin Shin Jyutsu der Bahnhof, wo alles zusammenkommt. Ein Verkehrsknoten, an dem alles zusammenfließt und sich wieder verteilt. So hilft die 22 uns bei der Anpassung an Dinge, Themen und Projekte, die ich ändern kann oder auch nicht. Sie hilft uns, mit dem was ist - veränderbar oder unabänderlich - einverstanden zu sein.
Wie ich so daliege beim HZS die zentrale 22 und die Mitte des Kopfes halte, wird mir plötzlich klar, dass die perfekte Blaupause, der perfekte Lebensplan, eben nicht nur die Harmonie umfasst, sondern dass sich mit meinen ganzen Verletzungen, Blockaden und Verdrehungen über das Ungleichgewicht auf der einen Ebene, ein perfektes Gesamtgleichgewicht auf einer anderen, tieferen Ebene ergibt. Diese Seins-Ebene ist - jenseits aller Bewertungen wie falsch oder richtig beziehungsweise gut oder böse- die Ebene des: Ich bin. Du bist. Wir sind.
Das heißt meine ganz persönliche, ureigene Mischung innerer und äußerer Krankheiten, Verletzungen, Disharmonien ist wesentlicher, ja entscheidender Teil des perfekten Bau- beziehungsweise Lebensplans. Sie öffnet für mich und mein aktuelles Bewusstsein die ideal passenden Lernfenster. Die manchmal schmerzhaften Verletzungen erinnern mich immer wieder an etwas, was gesehen, das heißt wahr-genommen und damit berührt, gelöst und gelernt werden möchte. Sie sind äußerer und innerer Spiegel, in dem ich mich selbst (er)kennen kann. Sie helfen mir so die zu werden, die ich eigentlich schon immer bin.
So haben mich zum Beispiel die tief prägenden Verletzungen in meiner Kindheit achtsamer und sensibler gemacht, gerade auch gegenüber dem Schmerz und Leid anderer Menschen und sind deshalb wichtige Wegmarken auf meinem Weg zu mir. Sie helfen mir, zu der zu werden, die ich wirklich bin. Auch meine aktuellen Krankheiten oder ein Jobverlust, sind als Projekte nicht nur einschränkend, schlecht oder schlimm. Sie sind wichtig, so wie in der Musik erst ein verminderter Akkord, eine Dissonanz die folgende Auflösung hörbar macht. Sie sind der Spiegel meiner selbst, der mir etwas sagen, bewusst machen möchte. Ich fange an zu verstehen, muss nicht mehr dagegen kämpfen, ich bin einverstanden. Das tröstende Bild "Segen in Verkleidung" aus dem Ström-Forum bekommt Farbe.
Damit ist die perfekte Blaupause kein fernes Ideal mehr. Sondern mein Leben ist in seiner Gesamtheit, so wie es eben gerade ist, mit den ganzen noch vorhandenen Einschränkungen, Umwegen und Verletzungen in seinem aktuellen Zustand ein perfekter Ausdruck eines perfekten Bauplans. Gleichzeitig verletzt und krank, aber auch heil und ganz.
So ist, wie der Psalmist singt, der Stein den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden. oder um es mit Leonard Cohen zu sagen:
There's a crack in everything
That's how the light get's in.
(D: Es gibt in allem einen Riss, genau dadurch kommt das Licht herein.)
In mir ist ein Vorhang gefallen und ein Fenster (4) aufgegangen und ich hab mich ein Stück besser kennengelernt, und habe ein tieferes Verständnis von Marys Satz im SHB 2 bei der 22 „Alle meine Leiden sind das Ergebnis von: Ich kenne MICH SELBST nicht."
Dies hilft mir das was ist anzunehmen, - im Innen und Außen. Ich muss nicht mehr gegen das angehen, was ist. Das Vertrauen wächst, dass es das Leben gut mit mir meint. Gleichzeitig wächst in mir der Mut zurückzukehren, zu dem Punkt, an dem ich mich selbst verloren habe, und mich in dieser alten Verletzung anzunehmen, so wie ich bin, und die ehemals und neu verlorenen beziehungsweise abgespaltenen (An-)Teile Schritt für Schritt wieder zu integrieren, zu beatmen, dass es sich wandelt, und damit wieder ein Stück weit versöhnter und heiler wird. Ich bin mit mir und der Welt im Einklang. Mal klingt es noch schräg, mal harmonisch, mal lösbar mal unlösbar. Ich bin einverstanden. Es ist, wie es ist: vollständig.

