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Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 19. Dezember 2014, 00:30
von Cestca
Liebe ihr alle
Ich sitze seit nunmehr fünf Jahren auf einer sicheren Staats-Stelle, fachlich sehr interessant, vom Arbeitsumfeld her (Vorgesetzte, Mitarbeiter, Arbeitsklima) top, von der Arbeitsweise her aber eher eintönig. Nachdem ich anfangs Jahr meinem Chef mitgeteilt hatte, dass mir zu langweilig würde, bin ich nun in einer intensiven Führungsausbildung, organisiert und bezahlt durch den Staat. Ziel wäre, früher oder später die Leitung einer Abteilung oder eines Amtes zu übernehmen.
Nun erhielt ich unerwartet ein Jobangebot von privater Seite her. Wir trafen uns unverbindlich heute Abend für ein erstes Gespräch, und ich ging hin mit der Einstellung, dass momentan nicht der richtige Zeitpunkt wäre für einen solchen Wechsel, ich mir die Sache aber dennoch mal anhören möchte.
Doch nach dem heutigen Abend muss ich sagen, dass ich es mir allenfalls sehr wohl vorstellen könnte. Das Angebot ist nahezu unschlagbar. Es geht dabei aber nicht einfach um einen Jobwechsel, sondern um eine grundlegende Entscheidung für einen (zu Beginn etwas abgefederten) Sprung in die Selbstständigkeit als Anwältin, in einem sehr speziellen Fachgebiet und Umfeld, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Also um eine eigentliche Weichenstellung im Leben. Und eigentlich war ich bisher immer überzeugt, nicht als Anwältin arbeiten zu wollen, bzw. dafür nicht geeignet zu sein.
Nun, ich habe nun über Weihnachten/Neujahr Zeit, das alles erst mal sacken zu lassen. Aber das wird echt schwierig werden. Wähle ich die ruhige Sicherheit beim Staat, oder wage ich den Sprung ins kalte, unsichere, dafür lebendigere Wasser?
Vorerst gehe ich nun ins Bett und versuche, den heutigen Abend etwas zu verdauen (14). Danach braucht es wohl viel Gallenblasen-FE. Und Zeigefinger, denn hinter dem "ich bin nicht geeignet" steht hauptsächlich objektiv unbegründete (Versagens-)Angst.
Danke fürs Lesen, ich musste es einfach loswerden (und in meinem realen Umfeld ist momentan Diskretion angesagt).
Gruss
Cestca
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 19. Dezember 2014, 08:38
von AnnSophie
Liebe Cestca,
es freut mich sehr, wie sich für Dich ein Türchen geöffnet hat und Du nun eine weitere Wahl hast. Es ist einfach eine weitere Option.
Gut, dass Du Dir viel Zeit für die Wahl gibst. Manchmal gibt's ja auch so was wie Rettungsschirme (z.B. Sabbatical) zum in Ruhe auspropieren.
Ich drück Dir die Daumen für Deine Wahl, wie auch immer sie aussieht.
Herzlich,
AnnSophie.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 19. Dezember 2014, 09:09
von Kampfkarpfen
Liebe Cestca,
ich kann dich sehr gut verstehen.
Es ist ein großer Schritt in die Selbtständigkeit. Ich gehe in gerade wobei bei mir klar war das ich unbedingt Veränderung möchte und brauche. Aufgrund dessen das mein letzter Arbeitgeber auch noch mit 2 Monatsgehältern hinterherhinkt ist mir der Entschluß leicht gefallen.
Ich habe für mich entdeckt das es Menschen gibt die meine Arbeit zu schätzen und zu würdigen wissen. Darunter sind meine Kunden wie auch die Firma für die ich in den Ausendienst gegangen bin. Und schon alleine diese Annerkennung tut mir so gut.
Klar heiß Selbstständig selbst und ständig aber Arbeit kann wieder Spaß machen und dann weiß man auch für was man es macht.
Wenns auch anfangs finanziell etwas weniger sein kann. Ich merke die Veränderung schon jetzt. Meine Rückenschmerzen sind weg, ich habe wieder Zeit für meine Freunde und kann endlich wieder am kulturellen Leben teil nehmen was, was zuvor aufgrund meiner blöden Arbeitszeiten fast unmöglich war. Von daher habe ich schon viel gewonnen.
Nimm dir die Zeit um in Ruhe darüber nachzudenken. Denke auch was kann im schlimmsten Fall passieren? Wege entstehen dadurch das man sie geht.
Ich wünsche dir genügend Zeit für Gedankenspiele.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 19. Dezember 2014, 16:57
von ate2011
Liebe Cestca,
es gibt ein Sprichwort dazu: wenn nicht jetzt, wann dann?
Wie jedem Sprichwort liegt auch hier die Volksweisheit inne, denn mit
jedem Jahr, was man älter wird, fällt eine Veränderung schwerer.
Irgendwann ist die Zeit des "Absprungs" vorbei und man traut sich
einfach nicht mehr. Höre auf dein Bauchgefühl, bei welchem Gedanken
ist dir wohler?
Zur Unterstützung bei Entscheidungen stelle ich mich schon mal gerade
hin (vorab ja/nein abklären... nach vorn/hinten), denke oder frage laut
und warte, wohin der Körper schwankt. Das bestärkt mich oft und
stellt sich später auch als richtig heraus (wenigstens bei mir).
Alles Liebe von der ate

Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 19. Dezember 2014, 19:45
von Momabo
Hallo Cestca,
höre auf dein Herz und wage den Sprung...
falls Du mir dein Geburtstag nennen willst, kann ich dir über die Numerologie vllt auch einen Tipp geben...
Für mein Gefühl beim Lesen JAAA mach das
Grüßle Mona
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 20. Dezember 2014, 00:45
von Cestca
Liebe alle
Es spielen natürlich noch viele Dinge mit hinein.
Die Kanzlei ist sozusagen ein "Tendenzbetrieb", nicht religiöser, aber in anderer Hinsicht weltanschaulicher Art. Ich teile die Ansichten grundsätzlich, weiss aber nicht, ob ich mich wirklich so sehr in diese Schublade gesteckt wissen will, bzw. ob und wann ich mir ein eigenständiges, etwas neutraleres Profil so erarbeiten kann, dass es von aussen auch wahrgenommen wird.
Und dann der soziale Aspekt: Wir sässen dort zu zweit aufeinander, und das auf dem Land draussen. Ich wohne allein, ebenfalls auf dem Land, und bei allen meinen Arbeitsstellen war mir daher der soziale Aspekt sehr wichtig, dass ich jeden Tag unter die Leute komme, ich gute Arbeitskollegen für Kaffeepause, gemeinsames Mittagessen etc. habe. Das würde komplett wegfallen. Freunde habe ich bisher auch immer über Mittag oder abends nach der Arbeit in der Stadt getroffen, auch das ginge nicht mehr ohne Weiteres. Wenn der eine Kollege gerade nicht da ist, könnte ich locker über Tage hinweg keinen Menschen sprechen, und das tut mir nicht gut.
Andererseits geht uns an meiner aktuellen Stelle allmählich die Arbeit aus. Wir warten alle darauf, dass die Vorgesetzten im Januar Stellung nehmen dazu, wie das weitergehen soll. Mit dem ständigen Gedanken "ich darf nicht zu schnell sein, weil danach habe ich sonst nichts mehr zu tun" ist das Arbeiten längerfristig unbefriedigend.
Das hier:
Kampfkarpfen hat geschrieben:Wege entstehen dadurch das man sie geht.
hat sehr Resonanz gefunden in mir, danke.
Liebe Grüsse
Cestca
PS: Mona, ich schick dir gleich noch eine PN.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 6. Januar 2015, 12:03
von Cestca
Hallo
Ich weiss nach wie vor ich nicht, was ich tun soll... Die Konsequenzen der Entscheidung sind so weitreichend, dass einerseits der Verstand sich diese nicht vorstellen kann, und andererseits das Bauchgefühl ängstlich schweigt.
Bis Ende Monat muss ich entschieden haben. Denn da ich sechs Monate Kündigungsfrist habe, wird es auch so August, bis ich wechseln könnte.
Jetzt steht erst mal ein Gespräch mit meinem Vorgesetzten an diese Woche. Ich werde die Karten auf den Tisch legen müssen, um mögliche Optionen an dieser Stelle hier auszukundschaften. Vielleicht hilft mir das weiter. Angenehm wird das nicht werden, denn ich weiss, dass mein Vorgesetzter ganz und gar keine Freude haben wird zu erfahren, dass er mich möglicherweise verlieren wird.
Gruss
Cestca
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 6. Januar 2015, 13:55
von AnnSophie
Liebe Cestca,
bei mir hat in so einer Situation dann mal der Arbeitgeber einiges getan, um mich zu halten, das war auch ganz wohltuend und damals auch finanziell lukrativ.
Er wird sich sehr wahrscheinlich anstrengen Dich zu halten, besonders wenn spürt, dass Deine Würfel noch nicht gefallen sind.
Drück Dir die Daumen, dass es, wie es auch kommt, für Dich richtig ist.
Herzlich, AnnSophie.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 6. Januar 2015, 14:29
von Morgensonne
Liebe Cestca,
es ist doch immer so, entweder tut sich nichts oder alles aufeinmal.
Dein Bauchgefühl sagt dir sehr wohl etwas. Allein die Überlegung, dass du vereinsamen könntest.
Ja leg die Karten auf den Tisch beim Gespräch mit deinem Vorgesetzten.
Sag ihm, was du dir erwartest und dir wünschst. Steigt er nicht drauf ein, hast du die andere Joboption.
Mir gings vor zwei Jahren auch nicht gut im Job. Ich hasste meine Arbeit immer mehr - viel zu viel und immer der gleiche Mist. Ich hatte schon körperliche Abwehrreaktionen, teilweise hätt ich kotzen können.
Als ich das mal meinem Abteilungsleiter näher bringen wollte, ließ er mich abblitzen.
Ich war verzweifelt. So wollte ich nicht mehr weitermachen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir einen Wechsel in der obersten Führungsebene. Also einen neuen obersten Chef.
Und wie es der Zufall wollte, sprach er mich bei einer Tagung an und wollte wissen, wie es mir geht. Normalerweise meide ich Vorgesetzte. Ich erzählte ihm dann aber alles und sagte ihm auch, dass ich gehen werde, wenn sich nichts ändert. Ich hatte bei ihm so ein gutes Bauchgefühl.
Ich hatte auch schon eine erste Idee, wie ich meine Arbeit verbessern kann - durch ein Projekt. Er stärkte mir den Rücken, weil mein Abteilungsleiter mich das nie hätte machen lassen. Ich habs verwirklicht und es erleichterte mir meine Arbeit.
Dann kam ein großes Projekt von diesem obersten Chef und ich wuselte mich da rein, zog im Hintergrund die Fäde, organisierte alles, es lag mir und machte mir Spaß, bis er auf mich aufmerksam wurde, mich offiziell ins Boot holte, weil er merkte, ohne mich geht es unter.
Das Projekt wurde ein Erfolg und ich bat ihn letztendes, mir zu helfen, mein Tätigkeitsfeld zu ändern. Er half mir^^ Er sprach einfach mit meinem Abteilungsleiter. Heute mache ich etwas ganz anderes, bin überaus glücklich dabei und: es wird sich noch mehr ändern. Bis Mitte des Jahres soll sich was tun, er hat Pläne mit mir, nachdem er gesehen hat, was ich drauf habe^^
Sei mutig, sag, was du willst. Jetzt ist deine Chance!
Du sagst ja selbst, es würde deinem Chef nicht gefallen, wenn du gehen würdest. Also sag ihm klar, was du willst. Stelle Anforderungen.
Wenn das durchgeht und er es dir ermöglicht, brauchst du gar nicht über die zweite Option nachdenken.
Es ist nämlich nicht nur die Tätigkeit wichtig, sondern auch das Umfeld.
Und du fühlst dich ja wohl, wo du bist.
Das Leben ist ein Abenteuer!
Die zweite Joboption sollte dir vielleicht nur mehr Kraft für die erste geben.
Das Leben meint es gut mit dir. Nimm an, was es dir anbietet!
Toi Toi Toi
Morgensonne
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 6. Januar 2015, 17:35
von Nirbheeti
Liebe Cestca,
bei Entscheidungen:
Gallenblasenfe!
Meine Bestimmung vom Himmel (20) auf die Erde (großer Zeh und Ringzeh) bringen und den Aufbruch wagen (16: Grundlage aller menschlichen Aktivitäten).
Das Thema hattest du schon mal, stimmt's? Ist mir neulich auf der Suche nach etwas Anderem wieder aufgefallen.
Lieben Gruß und gutes Gelingen!
Nirbheeti
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 8. Januar 2015, 19:33
von Cestca
Ja ja, meine liebe Gallenblasen-FE, immer und immer wieder

Das hast du völlig richtig gesehen, Nirbheeti.
Ich ströme sie jetzt auch wieder. Über Weihnachten/Neujahr, also genau während der Zeit, in der sich die Gedanken intensiv wälzten, mochte ich fast zwei Wochen lang überhaupt nicht strömen, nicht mal Finger. Jetzt geht es wieder.
Das Gespräch mit dem Chef hat noch nicht stattgefunden; er weiss, dass ich ihn sprechen will und weshalb, und ich warte nun darauf, dass er auf mich zukommt. Ich arbeite in der öffentlichen Verwaltung in einer sehr kleinen Abteilung, viel Spielraum hat er daher nicht, weder hinsichtlich Aufgabenerweiterung noch hinsichtlich Finanzen.
Ich glaube, mein Bauch hat sich inzwischen ohnehin entschieden dazu, das Neue zu wagen. Einfach ein Sprung ins kalte Wasser, obwohl ich keine Ahnung habe, was auf mich zukommt. Es ist aber noch nicht im Verstand angekommen, der hält das noch für völlig verrückt, das braucht noch Zeit und diverse Informationen.
Liebe Grüsse
Cestca
PS:
"Wege entstehen dadurch, dass man sie geht" wird auf deutschsprachigen Seiten als von Franz Kafka stammend beschrieben, ist aber offenbar nirgends in seinen Texten vorhanden; evtl. ein mündlicher Ausspruch.
Hingegen kommt das gleiche Bild bei meinem spanischen Lieblings-Dichter Antonio Machado vor, in einem 1912 veröffentlichten Gedicht:
Caminante, son tus huellas
el camino y nada más;
Caminante, no hay camino,
se hace camino al andar.
Al andar se hace el camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante no hay camino
sino estelas en la mar.
Auf Deutsch ungefährt so:
Wanderer, deine Fussspuren
sind der Weg, und weiter nichts.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
der Weg entsteht beim Gehen.
Beim Gehen entsteht der Weg,
und im Blick zurück
sieht man den Pfad,
den man nie wieder betreten wird.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
ausser dem Kielwasser im Meer.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 8. Januar 2015, 23:10
von AnnSophie
Chapeau, dann sind die Würfel ja gefallen! Ich drück Dir die Daumen für einen wohltuenden Übergang und eine gute Klärung der Details für den Kopf. Falls Du irgendwie Unterstützung brauchen kannst, gib Bescheid.
Und Danke für das wunderschöne spanische Gedicht (Ich kannte nur einen kleinen Ausschnitt davon!
AnnSophie.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 9. Januar 2015, 00:09
von Kampfkarpfen
na dann alles Gute für die Zukunft.
Ich mache ja auch gerade die Erfahrung einen neuen Weg zu gehen und kann dir nur sagen es fühlt sich sehr gut an.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 9. Januar 2015, 01:01
von Cestca
Na na na, noch keine Gratulationen bitte, wie gesagt, beim Verstand ist es noch nicht angekommen. Und ganz abgesehen davon sind grundlegende Dinge wie Lohn und sonstige Anstellungsbedingungen noch völlig offen. Auch wenn ich entscheide, ich tue es, kann es daran noch scheitern.
Re: Unerwartete Weichenstellung
Verfasst: 9. Januar 2015, 08:37
von Kampfkarpfen
Wie heißt es so schön:
"Wenn man etwas will findet man auch heraus wie man es bekommt."
In diesem Sinne wünsche ich dir das die dunklen Gedanken sich auflösen.