Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure Antworten! Sie haben mir sehr geholfen, mir klarem Verstand an die Sache ran zu gehen.
Ich habe mich nun seit meinem Beitrag einige Zeit mit dieser Methode beschäftigt. Habe mir die Berichte der Behandelten und Seminarbesucher angesehen und auch das Buch gelesen. Und ich habe auch einen Physiotherapeuten in meiner Nähe gefunden, der diese Methode anwendet.
Bei diesem war ich jetzt dreimal und habe mir Übungen zeigen lassen, die meine Muskeln und alles, was da mit "dran hängt" dehnen und auf "richtige" Art und Weise zu kräftigen. Außerdem hat er auch einige sehr empfindliche Punkte gedrückt (das ist das Kernstück der LnB-Methode). Wirklich keine angenehme Angelegenheit (da u.U. kurzzeitig schmerzhaft), aber sehr wirkungsvoll. Ich mache die Übungen täglich und fühle mich dabei prima, weil ich merke, wie meine Beweglichkeit sich verbessert, es nicht mehr so zieht bei den Dehnübungen.
Im Prinzip geht es darum, dass Bewegungsarmut und/oder andauernde Fehlbelastungen des Bewegungsapparates die Muskeln verkürzen. Wir haben im Wesentlichen immer zwei Gegenspieler, das sind die Beugemuskeln und die Streckmuskeln. Beide arbeiten zusammen, wenn wir z.B. den Arm beugen. Der eine zieht, der andere gibt nach (Bizeps - Trizeps). Wenn ich meinen Armmuskel trainiere, indem ich immer wieder die Gewichte mit der Hand in Richtung Schulter bewege und den Arm NICHT strecke, wird der Muskel, der sich an der Armrückseite befindet (also der Armstrecker) verkürzen, weil er nicht "artgerecht" benutzt wird.
Anderes Beispiel: lange Bauchmuskeln - Rückenstrecker. Der Rückenstrecker ist immer in der Pflicht, den Körper aufzurichten, egal, wie verkürzt die langen Bauchmuskeln durch zu viel Sitzen sind (da zählt auch das Schlafen in Embryohaltung dazu, also alles, wobei die Oberschenkel in Richtung Oberkörper angewinkelt sind). Da die Rückenmuskeln also immer den Körper aufrichten, die Bauchmuskeln aber nur unter Spannung nachgeben, sendet der Körper ein Signal (Schmerz). Und zwar dorthin, womit die evtl. zu Schaden führende Bewegung ausgelöst/ausgeführt wird: zum Rückenmuskel - obwohl der ja eigentlich nicht "krank" ist, sondern der Bauchmuskel! Der Schaden, der hier entstehen könnte, ist die Belastung der Gelenke, in diesem Fall der Bandscheiben. Denn wenn vorne einer zieht und hinten auch, dann geht die Belastung dorthin, wo sich beide treffen: in der Mitte bzw. am Gelenk, wo sie "andocken".
Falsch wäre hier also eine Kräftigung der Rückenmuskeln, wie sie so oft gemacht wird, denn dadurch verstärkt sich u.U. nur der Druck auf die Bandscheiben. Richtig ist die Dehnung des Bauchmuskels, denn das ermöglicht eine Entlastung der Bandscheiben.
Die Erkenntnisse, die Herr Bracht in dieser Methode zusammen gefasst hat, sehen die ganze Dynamik aus einem Blickwinkel und mit einer Logik, die ich absolut nachvollziehen kann. Er ist übrigens gelernter Maschinenbauer, kein Mediziner, vielleicht ist es ihm deshalb gelungen, fernab jeder Lehrmeinung der Ursache vieler Schmerzen auf den Grund zu gehen (es geht hier im Wesentlichen nicht um Folgen von Unfällen).
Dass er durch die starke Vermarktung viele Menschen erreicht, sehe ich absolut positiv, denn je mehr davon wissen, desto mehr können von Schmerzen befreit werden. Ganz ohne eigenes Mitwirken geht es nicht: da viele Körperhaltungen beruflich bedingt sind, gilt es durch regelmäßiges Üben/Dehnen die verkürzten Muskeln zu trainieren.
Er geht sogar soweit die These aufzustellen, dass viele sog. Operationserfolge z.B. an Bandscheiben oder Kniegelenken auf die Muskel entspannende Wirkung der Narkose zurück zu führen ist. Nach einiger Zeit kann es allerndings wieder zu Beschwerden kommen, wenn die alten (Nicht-)Bewegungsmuster beibehalten werden. Finde ich sehr interessant ...
Fazit für mich: wieder etwas sehr Interessantes dazu gelernt. Nämlich einen Mechanismus, der durchaus einen Sinn hat. Bewege ich mich nicht meinen Fähigkeiten entsprechend (die sich über Jahrmillionen entwickelt haben), wird mein Körper mich warnen. Höre ich auf ihn, kann ich Schäden vermeiden.
Es bleibt für mich noch eine große Frage bestehen: Wie "passt" das ins JSJ? Schmerzen werden auch hier beseitigt, ohne dass jemand an verschiedenen Punkten drückt. Mal von der allgemein entspannenden Wirkung von JSJ abgesehen (von der ich glaube, dass sie wirklich ein äußerst wichtiger Faktor ist) ... Unser "großer" Schmerzgriff, der auch lange bestehende Schmerzen beseitigen kann, ist ja der SES 5/16-Griff (SES 5: Erneuerung, das Alte ablegen und das Neue annehmen - Ängste beseitigen: bei Angst spannen wir automatisch die Muskeln an ... / bei Friedl Weber ist zu lesen, dass SES 5 der tiefen Haut hilft und allen Belastungen des Bindegewebes ... und SES 16: die Grundlage aller menschlichen Aktivitäten, Umwandlung; Aufbrechen bestehender Formen zugunsten neuer - harmonisiert u.a. den Muskeltonus).
... Und SES 8, das ja den Muskeltonus harmonisiert. Sollte man evtl. bei Schmerzzuständen, die nicht von Unfällen herkommen oder explizit von einem Organ kommen, starkes Augenmerk auf die Muskeln incl. Halteapparat (Sehnen, Bänder, Bindegewebe, Faszien etc.) legen? Macht Ihr das vielleicht sowieso schon so???
Würde mich freuen, wenn Ihr Eure Gedanken und Erfahrungen bzgl. JSJ und Harmonisierung von Schmerzen (mit-)teilen würdet
LG
Andrea