Liebe AnnSophie,
bei dir sind es ja gleich zwei Beiträge. Für beide danke ich dir. Ja, bei der Literatur werde ich deine Worte beherzigen. Generell gibt es da so etwas wie eine innere Führung für mich. Allerdings ist da momentan immer noch weniger mehr für mich, da es mir nicht immer gut geht und mir das Leben - das Zusammensein mit der Familie oder Freunden - wichtiger ist.
Den Beitrag über das Methadon habe ich mir angehört. Die dort genannten Kritikpunkte - mediales Aufbauschen, fehlende klinische Studien usw. - waren mir bereits bekannt. Es gibt journalistische Arbeiten, die man in Pro- oder Contra-Beiträge unterteilen kann. Eigentlich fände ich es wichtiger, aus einer unabhängigen Position ein objektivierendes ((mit der Objektivität ist es wohl schwierig, den überall sitzen Menschen und wir Menschen bringen nun einmal unsere subjektive Sicht in Berichte - private oder professionelle hinein)) Bild zu vermitteln. Bei diesem Feature kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass genau das nicht gewollt ist. Das ist für mich auf der einen Seite gut nachvollziehbar: z. B. die Macht der Medien wächst beständig und die Gefahr liegt klar auf der Hand – geforscht wird da, wo es den Medien gelingt, ausreichend Druck aufzubauen, klinische Studien können nicht umgangen werden, da sie Sicherheit für alle Patienten darstellen...
Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass hier – absichtlich – ein Anti-Methadon-Beitrag produziert wurde, dem es gerade an einem objektivierenden Ansatz fehlt. Es gibt massive Vorwürfe gegen Frau Dr. Friesen, z. B. dass sie im „Stern“-Chat behauptete, das Methadon wirke bei bestimmten Krebserkrankungen, auch wird ihr vorgeworfen, sie mache zu medizinischen Aspekten Angaben, die wären ihr aber nur glaubwürdig abnehmbar, wenn sie Medizinerin oder Heilpraktikerin sei. Beides träfe aber nicht zu. Da würde ich jetzt sagen: Treffer gegen Frau Dr. Friesen. Was mir aber an diesen Stellen fehlt, ist ein ganz einfaches journalistisches Mittel: die Stellungnahme von Frau Dr. Friesen. Sie ist an mehreren Stellen im O-Ton zu hören. Warum nicht bei der Klarstellung so wichtiger Fragen. Hier muss sich der Beitrag dieselben Vorwürfe machen lassen, den er anderen seriösen Sendern in Bezug auf Befragungen von Prof. Wick machte.
Ich will dies hier nicht auswalzen: die Sicherheit der Patienten steht an erster Stelle. Das sehe ich auf jeden Fall so. Aber gerade bei neuen oder gar alternativen Heilverfahren wird da mit zweierlei Maß gemessen.
Für deine Sorge danke ich dir ganz herzlich. Drei Ärzte betreuen mich. Die Höchstdosierung unterschreite ich bewusst, da ich sonst den ganzen Tag

würde. Alle vorgeschriebenen Medikamente werden von mir eingenommen.
Ganz herzliche Grüße an dich aus Leipzig,
Petra
Rudern zwei ein Boot, der eine kundig der Sterne,//der andere kundig der Stürme,//wird der eine//führn durch die Sterne,//wird der andere//führn durch die Stürme,//und am Ende, ganz am Ende//wird das Meer in der Erinnerung blau sein. Reiner Kunze